Marcel Westermann im Interview

Ihr hattet gerade Training – wie sieht das derzeit aus?

Die Damen und Herren trainieren zusammen. Wir trainieren online über Zoom. Da ein Stocktraining  wegen der unterschiedlichen Wohnsituationen schwierig zu organisieren ist, machen wir nur Fitnessübungen. Außerdem denke ich, dass ein paar Monate ohne richtiges Stocktraining zwar sicherlich nicht das Beste ist, einen Fitnessrückstand von mehreren Monaten sehe ich aber als deutlich problematischer und schwerer aufzuholen. Zumal es immer schwerer ist die Spieler zum Fitnesstraining zu begeistern als zum Stocktraining, daher ist der Anreiz neben dem Teamfitness Teil selber mit dem Stock zu arbeiten wesentlich größer. Beim Fitnesstraining arbeiten wir viel mit dem eigenen Körpergewicht. Ich versuche die Einheiten immer auf 50 – 60 Minuten zu beschränken, dafür aber mit sehr wenig Pausen zu arbeiten. Da haben wir dann auch einen gewissen Cardio Anteil, Ausdauertraining wie Laufen müssen die Spieler jedoch für sich nachholen. Wir haben eine Adidas-Laufgruppe, wo jeder seine Läufe tracken kann. Aber insgesamt gibt es derzeit viele Freiräume und keine Zwang. Jeder der Lust hat, macht etwas.

Wie hältst du dich ansonsten Fit?

Die letzten zwei, drei Wochen ist es wegen der Uni schwierig gewesen, noch nebenbei regelmäßig zu trainieren. Ich mache jetzt meinen Master im Wirtschaftsingenieurwesen, durch die viele Abgaben und Meetings bleibt da tagsüber nicht viel Zeit für.

Und Übungen mit Ball?

Es juckt mir schon in der Hand, aber das kann ich Nachbarn und Mitbewohnern nicht zumuten.

Floorball nimmt normalerweise viel Platz und Zeit in deinem Leben ein, was machst du derzeit stattdessen?

Als der Spielbetrieb abgesagt wurde, ging die Uni wieder los. Dadurch habe ich gut zu tun und recht wenig Freizeit. Ich habe auch mehr Kurse belegt, als es schon absehbar war, dass die Beschränkungen wiederkommen.

Seit wann spielst du eigentlich Floorball? Ich habe da vor einigen Wochen ein Bild von dir als Kind gesehen…

Das Foto muss aus der 2. Klasse gewesen sein. Angefangen im Verein habe ich in der 4. Klasse, das war im Sommer 2007, bei Buntentor. Bei Eiche spiele ich seit 2011 in der 1. Mannschaft. Anfangs habe ich parallel auch noch Fußball bei Buntentor gespielt. Es gab Tage, da habe ich morgens Fußball, nachmittags mit Buntentor Floorball und abends noch mit Eiche gespielt. Wenn ich heute ein Spiel spiele, dann mach ich den Abend danach nichts mehr.

Du hast nach drei Ligaspielen bereits elf Punkte gemacht – Hast du eine Chance Topscorer werden?

Ich glaube nicht, da ich voraussichtlich nicht mehr mitspielen kann, da ich engen Kontakt zu Personen aus der Risikogruppe habe. Wir sind aber auch ein Team, dass nicht über die Einzelspieler kommt. Wir haben die letzten Jahre immer eine Handvoll Spieler unter den besten Scorern gehabt, aber wir waren nie ganz vorne dabei. Die Last ist bei uns auf mehreren Schultern verteilt.

Es ist die zweite Saison als Trainer der ersten Herren – Was zeichnet das Team deiner Meinung nach aus?

Ich bin ehrlich gesagt ein bisschen überrascht, dass wir da oben stehen, mit einem Punkt mehr als Hannover, mit zwei Siegen und nur einer knappen Niederlage gegen Lilienthal. Lilienthal hatte einen vollen Kader im Spiel gegen uns, wir dagegen nur 13-14 Feldspieler. Da war ich mit den Wechselmöglichkeiten eingeschränkt. Aber trotz unserer großen Altersspanne im Kader, von 15 bis über 30 ist alles dabei, funktioniert es und auch neben dem Feld verstehen wir uns gut. Letztes Jahr sind wir mit der Erwartung in die Saison gegangen, dass wir jedes Spiel gewinnen müssen. Dieses Jahr ist das anders, weil wir nicht in jedes Spiel als Favorit gehen. Wir sind dadurch vorsichtiger und spielen taktisch diszipliniert. Die Mannschaftsleistung war bisher einfach richtig gut. Dümpten fehlt uns als Gegner zwar noch, aber wir können jedes Team schlagen, obwohl wir einen so jungen Kader haben. Die jungen Spieler haben sich extrem weiterentwickelt und sie haben noch viel Potenzial nach oben.

Wie stehen die Chancen, dass ihr aufsteigt?

Es gibt eine realistische Chance. Aber selbst, wenn es Playoffs gibt und wir das schaffen, ist die Frage, ob wir dem Team das nächstes Jahr schon zumuten sollten. Die junge Spieler sollen die Chance auf jeden Fall bekommen, wenn wir sie kriegen. Wir schauen mal, wie weit wir kommen.

Zusammen mit Jan-Paul trainierst du auch die Damen – wie lief es da bisher?

Erfolgreich wie letztes Jahr. Wir haben einen kleinen Kader und ein paar Ausfälle, da ist es manchmal mit dem Training etwas schwierig, aber wir wollen trotzdem wieder alle Spiele und Titel gewinnen, auch wenn wir nicht zur Deutschen Meisterschaft fahren können. Die Mädels sind trotzdem super motiviert und wollen alle besser werden

Du bringst dich auch bei Social Media ein – was ist deine Aufgabe?

Letztes Jahr habe ich das Instagram-Konto in die Hand genommen, jetzt haben Noah und ich das Konzept für unsere Öffentlichkeitsarbeit erstellt und ich bin verantwortlich für die Gruppe Content Creating, die jede Woche Inhalt für Social Media erstellen.

Deine Idee war es auch, Spiele aus dem Schuhkarton zu streamen – wie kamst du darauf?

Die Idee gab es schon länger, es ist nur an den Gegebenheiten der kleinen Halle gescheitert. Mit einer App, einem iPad als Schaltzentrale und zwei iPhones als Kameras machen wir künftig die Übertragung. Auf das Feedback vom ersten Stream haben wir auch reagiert: Wir haben extra hochwertige Weitwinkel-Objektive für die iPhones gekauft und verschiedene Kamerapositionen für die Zukunft ausprobiert. Bis es wieder losgeht arbeiten wir auch noch an verschiedenen Grafiken und Einblendungen. Mittlerweile sind wir ein Team von sechs Leuten unter meiner Leitung, die sich in Zukunft um den Livestream kümmern.

 

Das Gespräch führte Philipp Johannßen.

 

Philipp Johannßen, Jahrgang 1989, kam 2010 zum TV Eiche Horn und spielte dort erstmals im Verein Floorball. Bis 2014 spielte er bei der zweiten Mannschaft im Kleinfeld und im Großfeld. Anschließend verließ er berufsbedingt die Stadt, aktuell wohnt er in Mannheim, wo er auch seine neue Floorball-Heimat gefunden hat. Er arbeitet als Redakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und hat sich bereiterklärt monatlich ein Interview mit einem Mitglied unserer Abteilung zu machen

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