Stimmen zum WM Finale

04.06.03

Hier finden Sie Aussagen von Kristina Landgren, Johanna Ekeroth, Karolina Widar, Thomas Rieben, Mirca Anderegg, Bea Trachsel und Ramona Gabathuler zum Damen WM Finale.


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Kristina Landgren
Head Coach Schweden
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Wir hatten eine klare Vorgabe des Verbandes, Gold nach Schweden zurück zu holen. Dafür haben wir zwei Jahre lang hart gearbeitet. So kurz nach dem Final und dem Erreichen eines Zieles fühlt man sich etwas leer – im Prinzip beginnt bereits ab morgen die Vorbereitung auf die WM in Singapur. So ist das Geschäft.
Wir wussten, dass die Schweiz im 1-1 verteidigen würde und dass uns das viel Platz zum Spielen gibt. Ich denke, dass das ein grosser Vorteil für uns war – und die Zuschauer haben sicher auch ihren Spass, wenn sie so ein offenes Spiel sehen…

Ein herzliches Dankeschön an die Organisatoren dieser WM, alles lief perfekt für uns.

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Johanna Ekeroth
5-fache Torschützin für Schweden
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Bis kurz vor dem Spiel war noch gar nicht klar, dass ich spielen kann. Ich bin am Knie etwas verletzt. Zum Glück hat es geklappt – und gleich 5 Treffer zu erzielen ist natürlich fantastisch.

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Karolina Widar
Neo-Dietlikerin
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Für mich war diese WM natürlich speziell, weil ich jetzt dann zu Dietlikon wechsle. Ich freue mich sehr auf diese neue Aufgabe in der Schweiz.

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Bea Trachsel
abtretende Verteidigerin
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Die Ambiance im Final war fantastisch, ein würdiger Schlusspunkt meiner Karriere. Im Verlaufe des Spiels konnten wir das Geschehen ausgeglichener gestalten, sodass wir erhobenen Hauptes das Feld verlassen konnten.

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Mirca Anderegg
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Die Erwartungen vor dem Final waren natürlich riesig. Leider haben wir schnell ein paar dumme Fehler gemacht und Tore kassiert. Das Publikum war sensationell, wir hätten für die Zuschauer gerne gewonnen. Aber Schweden war eine Spur besser.
Wir waren extrem nervös, das habe ich schon beim Einschiessen gemerkt. Die Schweden habe alle wichtigen Zweikämpfe gewonnen, wir fanden einfach nicht ins Spiel. Trotzdem können wir stolz auf unsere Leistung sein, wir freuen uns über Silber, auch wenn wir jetzt so kurz nach dem Spiel natürlich schon enttäuscht sind.

Zu den abenteuerlichen Frisuren: Mazzi und Simi haben so etwas schon bei den Autogrammkarten gemacht. Dann ging ich zum Coiffeur, andere zogen mit und dann war es die ganze Gruppe, die sich angeschlossen hat. Wenn wir schon nicht gewinnen, wollen wir wenigsten die schönsten und coolsten sein…

Als besondere Eindrücke nehme ich sicher das ganze Medieninteresse mit. Und dann natürlich die Kulisse des Finals, das war einfach einmalig. Jetzt freue ich mich auf meine neue Aufgabe in Dietlikon und somit auch auf den Europacup. Ich hoffe, dass wir da die Schweden packen können!

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Ramona Gabathuler
Nati-Debütantin
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Ramona, das war die erste WM für dich. Welches sind deine Eindrücke?
Es war natürlich ein mega geiles Erlebnis für mich. Ich bin so kurz vor der WM noch in Team gerutscht und wurde sofort aufgenommen. Das hätte ich nicht gedacht.
Du bist natürlich nicht regelmässig zum Einsatz gekommen. Bist du dennoch zufrieden?
Ich durfte nicht mehr erwarten. Natürlich hätte ich gerne mehr gespielt als nur ein Drittel gegen Finnland und 10 Minuten gegen Tschechien. Aber das ist schon in Ordnung so, mir ist mein Stellenwert schon vor der WM klar mitgeteilt worden.

Welches Erlebnis wird dir besonders in Erinnerung bleiben?
Das Einlaufen in die Halle im Halbfinal gegen Norwegen. Die Halle war zwar nicht so voll und laut wie im Final, aber beim Final sass ja nur auf der Tribüne. Das ist schon etwas anderes als unten auf dem Feld.

Du bist sogar noch jung genug, um an der U19-WM nächstes Jahr mit zu spielen. Siehst du denn noch andere Spielerinnen aus diesem Kader, die schon bald den Sprung in die A-Nati schaffen werden?
Klar, die gibt es. Die einen vielleicht schon in zwei Jahren, andere wohl eher in vier. Aber die Basis ist da.

Der internationale Teil ist jetzt erst mal abgeschlossen, für dich geht es in Chur mit Piranha weiter. Der Verein muss verschiedene Abgänge bewältigen. Lastet jetzt mehr Druck auf dir?
In der letzten Saison konnten wir vom zweiten Block unbeschwert aufspielen, die meiste Verantwortung lastete auf der ersten Linie mit Wegmann, Mätzener und Anderegg. Jetzt müssen halt die Jungen mehr Verantwortung übernehmen, das ist gut so. Wir haben ja auch schon unsere Erfahrungen gesammelt, wir werden das schon schaffen.

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Tom Rieben – Denker und Lenke an der CH-Bande
Thomas, Kristina Landgren sah es als Vorteil für Schweden, dass die Schweiz Fraudeckung gespielt hat. Muss dir das nicht zu denken geben?
Wir hätten auch mit einer anderen Taktik nicht gewonnen. Wir wussten, dass die Schweden im 1-1 sehr stark sind. Aber wir haben in diesem Bereich auch Fortschritte erzielt. Ich gratuliere Schweden zum Titel, sie sind einfach der verdiente Weltmeister, das beste Team.

Was hätte es denn gebraucht, um wenigstens näher an die Schwedinnen heran zu kommen?
Wir wussten, dass wir ein enges Spiel brauchen, um eine Chance zu haben. Sobald wir klar im Rückstand sind, schwindet der Glaube an eine Ãœberraschung. So war für mich der Match nach dem ersten Drittel bereits gelaufen, ich hatte also 40 Minuten Zeit, mich auf die Pressekonferenz vorzubereiten…

Wäre es denn nicht nötig gewesen, bereits im ersten Drittel zu reagieren, als man sah, dass die Schwedinnen schalten und walten konnten wie es ihnen beliebte?
Im Nachhinein kann man das natürlich immer sagen. Es wäre auch eine Möglichkeit gewesen, von Anfang an Laura Tomatis zu bringen, wobei ich damit nicht sagen will, dass Sabine Forster schlecht gespielt hat.
Schweden ist keine Grümpelturnier-Mannschaft, das ist die stärkste Mannschaft der Welt. In den letzten zwei Jahren haben sie kaum ein Spiel nicht deutlich gewonnen. Das muss man einfach sehen.

War den Schweizerinnen einfach alles ein wenig zu viel? Die volle Halle, der grosse Gegner, die neuen Frisuren…
Wir wollten diesen „Lauf“ mit den Frisuren nicht stoppen, dafür war die Dynamik in der Gruppe zu gross. Wir haben gesehen, wie weit uns dieser Teamgeist gebracht hat. In Riga hatten wir das nicht, es resultierte Rang 4. Hier gab es Silber.
Aber natürlich lastete viel Druck auf uns, besonders auf einzelnen Spielerinnen, wie zum Beispiel Marisa Mazzarelli.

Welches waren für dich die wichtigsten Spielerinnen an diesem Turnier?
Aurelia Pescador, Renate Tschumi und Nicole Giezandanner. Sie haben, obwohl sie nicht zum Einsatz gekommen sind, immer super mitgezogen und sich voll in den Dienst der Mannschaft gestellt.

Was bedeutet dieses Medaille für das Damenunihockey in der Schweiz?
Als Trainer bin ich über die Niederlage natürlich total enttäuscht. Ich verliere nicht mal gegen meinen Götti-Bub im „Eile mit Weile“ gern. Aber als Damen-Nati-Trainer finde ich Silber ideal. Es gibt uns nicht das Gefühl, jetzt zwei Jahre lang als Weltmeister die Beine hochlagern zu können. Es bleiben Ziele, wir wissen, dass wir weiter Fortschritte machen müssen.

Und in welchen Bereichen müssen diese Fortschritte erfolgen?
Wir haben im Vergleich zu Schweden Defizite in der Athletik, bei den individuellen Fähigkeiten und sicher auch im mentalen Bereich. Die Schweden verfügen zum Beispiel über die notwendige Arroganz – sie haben immer nur über Finnland gesprochen, nie über uns.
Wir bräuchten eine stärkere Liga, nur so können wir Fortschritte erzielen. Momentan kann ich hauptsächlich Spielerinnen aus drei Teams selektionieren, dazu kommen die Highlands mit ihrer vorbildlichen Nachwuchsarbeit. Das reicht auf die Dauer nicht.

Wie soll sich das denn ändern?
Zum einen sollten nicht die Vereine mit dem besten Transferchef die erfolgreichsten sein, sondern die mit der besten Nachwuchsförderung. Es braucht auch eine bessere Zusammenarbeit auf allen Stufen. Wenn ich da an die Berner Vereine denke, die von mir öfters mehr Bernerinnen in der Nati gefordert haben – in den letzten 4 Jahren sind die an etwa zwei Sitzungen mit mir erschienen, sonst haben sie nie Zeit gefunden. Andere nehmen die Sache schon viel ernster.
Ich hoffe, dass das Damenförderungs-Konzept Früchte tragen wird. Dass wir mehr Mädchen fürs Unihockey begeistern können, dass die Juniorinnen früher aufs Grossfeld wechseln und die Vereine noch besser arbeiten. Ich bin ja nur der Verwalter dessen, was die Vereine produzieren.

Und du möchtest dieser Verwalter bleiben?
Ja, ich bin gerne Nati-Trainer und möchte es auch bleiben.
(Der Kommentar von ZV-Präsident Renato Orlando an der Pressekonferenz dazu: „Wir reden dann noch darüber.“)

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